03.09.2020 / komba gewerkschaft

Wieviel Bildungsarbeit kann in den Kitas tatsächlich noch stattfinden?

© geralt / pixabay.com (bearbeitet)
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Zu wenig qualifiziertes Personal bei zu großen Gruppen. Trotz Investitionen in Ausbau und Personal können viele Kindertageseinrichtungen (Kitas) in Deutschland nicht oder nur eingeschränkt ihren Bildungsauftrag erfüllen. „Die Situation in den Kitas ist erschreckend, für Neueinsteigerinnen und Neueinsteiger unattraktiv“, mahnt Sandra van Heemskerk, stellvertretende Bundesvorsitzende der komba gewerkschaft, bei einer Online-Diskussionsrunde der Bertelsmann-Stiftung zu den aktuellen Ergebnisse des Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme und der bundesweiten qualitativen Fachkräfte-Studie „HiSKiTa“.

„Der dauerhafte Spagat zwischen dem eigenen, professionellen Anspruch der Beschäftigten an ihre Tätigkeit und den Voraussetzungen unter denen gearbeitet werden muss, zermürbt die Kolleginnen und Kollegen vor Ort, macht sie im schlimmsten Fall krank oder bringt sie dazu, zu kündigen,“ beschreibt die stellvertretende Bundesvorsitzende der komba gewerkschaft die Lage. Durch das hohe Maß an Engagement, um den Bildungsauftrag zu erfüllen, würden viele Beschäftigten über ihre Grenzen hinausgehen. Mit guter Kita-Qualität, um allen Kindern unserer Gesellschaft unabhängig von ihrem Wohnort und ihrer Lebenssituation ausreichend Entwicklungs- und Bildungschancen zu ermöglichen, hätte das schon lange nichts mehr zu tun. „Wir bekommen oft die Rückmeldungen, dass, ähnlich wie in der Studie beschrieben, es an manchen Tagen eher um die Absicherung der Betreuung geht, als darum, nachhaltig qualitativ hochwertige Bildungsarbeit leisten zu können“, so van Heemskerk.

Um den gesetzlichen Auftrag von Bildung, Betreuung und Erziehung erfüllen zu können, bedarf es einen angemessenen Personalschlüssel, der Faktoren wie Urlaubs-, Kranken-, Fort- und Weiterbildungszeiten sowie die Öffnungszeiten der Kitas berücksichtigt. Dieser Personalschlüssel darf jedoch nicht nur vorgehalten werden, sondern muss tatsächlich anwesend sein. Viele Herausforderungen würden damit bereits gemeistert werden können. Doch woher geeignetes Personal nehmen? Bei der Personalgewinnung muss zwingen die Qualität vor der Quantität stehen. van Heemskerk: „Auch wenn sich dabei Politik und Träger einig wären, die Situation in den Kitas ist für Neueinsteigerinnen und Neueinsteiger unattraktiv. Schnellschüsse bei der Auswahl von Bewerbungen und Angeboten von Zeitarbeitsfirmen ist keine Lösung. Noch weniger, dass aufgrund des Personalmangels viele Auszubildenden bereits in ihrer Qualifizierungsphase eigenverantwortlich Gruppenarbeit leisten müssen, ohne ausreichende Praxisanleitung.“

Fakt ist, der Gradmesser für eine qualitativ hochwertige Bildungsarbeit in Kitas ist ausreichendes Fachpersonal. Um dies zu gewinnen bedarf es nicht befristete oder Teilzeitverträge. „Angemessene Bezahlung und Wertschätzung, Perspektiven durch Weiterbildungsmöglichkeiten, Vereinbarkeit von Privatleben, Familie und Beruf, genügend Angebote zur Gesundheitsprävention und geeignete Einarbeitungskonzepte für Neuanfänger – das sind klare Signale, die jetzt gesetzt werden müssen, um die Personalsituation in den Kitas nachhaltig zu verbessern. Dafür setzen wir uns als Gewerkschaft maßgeblich ein“, so van Heemskerk.

In der Online-Diskussionsrunde „Gefährdet die aktuelle Personalsituation in Kitas den Bildungsauftrag?“, veranstaltet von der Bertelsmann-Stiftung, wurden mit Vertreterinnen von Ministerien und Facheinrichtungen von Bund und Ländern sowie Sandra van Heemskerk als einzige Gewerkschaftsvertreterin die aktuellen Ergebnisse aus dem Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme und der bundesweiten qualitativen Fachkräfte-Studie „HiSKiTa“ der FernUniversität in Hagen, die im Auftrag der Bertelsmann Stiftung durchgeführt wurde, diskutiert.

An der Online-Diskussionsrunde teilgenommen haben:

  • Nora Damme | Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
  • Xenia Roth | Ministerium für Bildung Rheinland-Pfalz
  • Sandra van Heemskerk | Stellvertretende Bundesvorsitzende komba Gewerkschaft
  • Wendy Scholz | Fachberatung der Diakonie Mitteldeutschland, Schwerpunkt Sachsen-Anhalt  
  • Prof. Dr. Julia Schütz | Lehrgebiet Empirische Bildungsforschung, FernUniversität in Hagen
  • Kathrin Bock-Famulla | Senior Expert Frühkindliche Bildung, Educational Governance und Bildungsfinanzierung, Bertelsmann Stiftung

Weitere Informationen:

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Kontakt

komba gewerkschaft
sachsen-anhalt
Bettina Fügemann (Landesvorsitzende)
Robert-Koch-Str. 5
06493 Ballenstedt
Mobil: 0162-912 6188
Tel. : 039483- 8898
E-Mail: info(at)komba-sachsen-anhalt.de

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